Durch eine kürzlich erfolgte Publikation in der britischen Presse zu einer Forschungsarbeit an der Universität von Zaragoza (Spanien) wird schon wieder eine Diskussion über eine Substanz angefangen, weil man zu wenig weiß und weil sie vielleicht in Lebensmittel migrieren kann. Dabei ist überhaupt nicht klar, ob die geprüfte Klebstoff-Folien-Kombination für einen Lebensmittelkontakt vorgesehen ist.
Die Ergebnisse der spanischen Gruppe sind nicht überraschend. 2,4,7,9-Tetramethyl-5-decyn-4,7-diol (TMDD; CAS-Nr. 126-86-3 ) ist ein gängiges Additiv im Klebstoffbereich. Wir kennen diese Substanz aus einer Reihe von Rezepturen, auch von Etiketten für Lebensmittelverpackungen.
Bei den Klebstoffen, die wir zur Prüfung erhalten, führen wir spezifische Migrationsuntersuchungen auf verschiedene Substanzen durch – unter anderem auch auf TMDD. Wenn die Ergebnisse hierfür über 10 ppb im Lebensmittel liegen, müssen wir das Produkt für den Lebensmittelkontakt ablehnen. Selbstverständlich wird hierbei das eingeschränkte Oberflächen-Füllmengen-Verhältnis von Etiketten berücksichtigt.
Unsere Bewertung beruht allerdings ausschließlich auf Unkenntnis, da unseres Wissens nicht genug toxikologische Daten vorliegen. Daher sollte zunächst geklärt werden, ob TMDD wirklich so „highly toxic“ ist wie in der Publikation beschrieben. In der Literatur finden sich nämlich auch widersprüchliche Daten. So ist die Substanz beispielsweise von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA nur mit geringer bis mäßiger akuter Toxizität eingestuft worden. Es gibt derzeit auch keine Hinweise auf eine mutagene oder kanzerogene Wirkung. In Klebstoffrezepturen mit TMDD kann man die Konformität mit der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 sehr gut schon vorher bewerten. Die spezifische Migration lässt sich sehr gut überwachen.
Es wäre sehr bedauerlich, wenn wieder eine technisch nützliche Substanz in Lebensmittelverpackungen verboten wird, nur weil eine negative Schlagzeile ohne ausreichende Details verbreitet wird. |